wohlertfotografie

Eines vorweg: mit „Model“ meine ich „Mensch, der vor meiner Kamera steht“ bzw. „Person, die ein gemeinsames Fotoshooting machen würde“. Den Begriff finde ich zwar oft unpassend, aber er ist praktischer, als jedes Mal die oben genannte Phrase auszuschreiben. Das Wort Model wie ich es verwende, sagt nichts über Geschlecht, Erfahrung vor der Kamera oder Ähnliches aus. Wenn ich Menschen mit Erfahrung im Modeln meine, verwende ich die Ausdrücke „professionelles Model“ oder „Hobbymodel“.

Die typischen Tipps und mein ganz anderer Ansatz

Auf der Suche nach Tipps zur Modelfindung bzw. zum Anschreiben von Models wirst du im Internet üblicherweise auf die folgenden unbedingt wichtigen Ratschläge stoßen:

Du brauchst eine Bildidee! Du musst Zeit und Ort bereits geplant haben!

Du musst Referenzbilder mitschicken/in deinem Feed haben! Du musst einen TFP-Vertrag haben!

Du musst…

Alles sehr viel auf einmal, oder? Man bekommt den Eindruck, dass man einfach alles in die Nachricht reinpacken müsse, sodass das Model als Antwort im Idealfall nur noch ein „ja“ zurückschicken muss und dadurch das Shooting dann komplett fertig durchgeplant feststeht. (Spoiler: Bildideen können tatsächlich gemeinsam entwickelt, Outfits gemeinsam ausgesucht, und Termine zusammen abgesprochen werden)

Diese Tipps mögen für Shootings innerhalb der „Fotoszene“ gut und hilfreich sein, wenn du Hobbymodels etc. anschreibst. Doch ich möchte dir hier einmal zeigen, dass es auch anders geht.

Für gute Fotos sind meiner Meinung nach keine Hobbymodels oder gar Profis vor der Kamera erforderlich.

Ich persönlich vertrete die Meinung, dass man mit jeder Person tolle Bilder machen kann, dass ganz am Anfang ein bisschen Talent auch mal die Erfahrung schlägt und vor allem die Regel „good light always wins“ gilt! Du kannst also mit jedem passable Bilder für deinen ersten Einstieg machen, wenn du zumindest in gutem Licht fotografierst und dich nicht vollkommen blöd anstellst 😉 (vorausgesetzt, du weißt, wo/wie man gutes Licht findet und erkennt, dazu empfehle ich zum Beispiel mein Buch). Darüber hinaus solltest du dir natürlich Zeit nehmen, ohne Druck fotografieren und viele Bilder machen.

Fokussiere dich deswegen zu Beginn nicht auf die Modelszene, sondern schreibe einfach Leute „von nebenan“ an, die Spaß an einem Shooting haben könnten! In diesem Blogartikel möchte ich dir zeigen, wie das funktioniert. Alles was ich hier beschreibe, bezieht sich auf die Modelsuche bei Instagram und nicht auf Model-Portale oder sonstige Internetforen.

Ich selbst habe praktisch nie ein Thema genannt, wenn ich jemanden angeschrieben habe. Bei mir steht meistens keine durchgeplante „Bildidee“ vor einem Shooting fest, ich lasse mich durch die Situation, Örtlichkeiten, das Licht, einfach alles in der Umgebung inspirieren. Ganz besonders durch den Menschen vor meiner Kamera (ja, ich werde nicht müde, das immer wieder zu betonen!)

MEINE persönlichen Tipps für die Modelsuche

Schreibe kleine Accounts an

Ich würde „klein“ in diesem Sinne zwischen 100 und 3000 Follower einordnen. Bei größeren Accounts nimmt die Wahrscheinlichkeit zunehmend ab, eine Antwort zu erhalten. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen, doch zu Beginn würde ich mit etwas kleineren Accounts starten und mich dann so langsam „hocharbeiten“, je mehr mein Portfolio wächst und je besser meine Bilder werden.

Halte Ausschau nach Model-Talenten

Das kann man im Feed erkennen. Wie oft jemand postet, wie viele und was für Bilder jemand generell von sich zeigt, daraus kann man ablesen ob die Person sich grundsätzlich wohl vor der Kamera fühlt oder nicht. Ich habe mittlerweile einen Blick dafür entwickelt, aus normalen Handyfotos oder sogar nur aus Profilbildern mit teils heftigen Filtern darüber diejenigen Personen herauszusuchen, die für meinen Sinn von Ästhetik und meine Art der Fotografie passen.

Schreibe bewusst „Nicht-Models“ an, die dir zusagen

Also einfach Leute, die sich gern mal mit dem Handy fotografieren (lassen), aber keine professionellen Bilder im Feed haben. Diesen kannst du mit einem kleinen Shooting einen echten Mehrwert bieten. Welchen Grund sollten sie haben, dir abzusagen oder nicht zu antworten, wo du ihnen doch in deiner ersten Nachricht so einen hohen Mehrwert bietest?

Suche nach dem, was du persönlich schön findest

Eigentlich auch selbstverständlich, es bringt nichts, wenn du tolle Modelaccounts anschreibst, die an sich zwar großartig sind, aber nicht in deinen Sinn für Ästhetik passen. Denn eines ist klar: Was dir selbst gefällt und du ästhetisch findest, kannst du ganz automatisch besser fotografieren, als etwas, das du nicht schön findest. Die Bilder werden dir besser gefallen und abgesehen davon macht das Fotografieren natürlich so auch viel mehr Spaß. Wenn du beispielsweise überhaupt kein Freund von Tattoos bist, dann schreib keine Leute an, die viele Tattoos haben, nur weil diese gerade einen beliebten Instagramaccount haben.

Achte aufs Matching (gemeinsamer Geschmack)

Der Aufnahmebereich deiner geplanten Bilder muss natürlich zum Model passen. Schreibe bitte niemanden für ein Sensual-Shooting an, wenn die Person nicht einmal Bilder gepostet hat, die grob in diese Richtung gehen! Auch irgendwie logisch, oder? Und trotzdem hört man so oft von Fällen, bei denen Models oder Hobbymodels von Fotografen so unpassend angeschrieben wurden.

Sei freundlich, IMMER

Klingt selbstverständlich? Egal wie sehr mir jemand durch eine Nachricht auf die Füße tritt oder wie wenig Wertschätzung man mir entgegenbringt, zeige ich immer Verständnis für die Person. Ein echter Buchtipp ist hier übrigens „Wie man Freunde gewinnt“ von Dale Carnegie*. Ich kann nicht stark genug betonen, wie sehr mich das Buch weitergebracht hat. Einige (glücklicherweise extrem wenige) Male hatte ich es in den Privatnachrichten auch mit persönlichen Angriffen zu tun, die ich jedoch genauso freundlich wie immer beantwortet habe. Ich denke es ist eine Kunst, auch dann ruhig zu bleiben und nicht darauf einzugehen, wenn man provoziert wurde (sei das nun bewusst oder versehentlich passiert).

Hake nach!

Viele Anfragen gehen bei Instagram komplett unter, deswegen frage ruhig 2-3 Tage nach dem ersten Anschreiben nochmal nach. Natürlich ebenso freundlich wie gewohnt, indem du Verständnis für die Person zeigst und zum Beispiel vorwegnimmst, dass es natürlich immer mal vorkommen kann, wenn man Nachrichtenanfragen übersieht. Wenn das nichts bringt, du aber siehst, dass die Person sehr aktiv ist auf Instagram (z. B. nach deiner Anfrage noch etwas gepostet hat), kannst du in einem freundlichen, unaufdringlichen (!) Kommentar darauf hinweisen, dass du ihr geschrieben hast und sie bitten, einmal in ihre Nachrichtenanfragen reinzuschauen. Wenn dann nichts zurückkommt, auch nicht schlimm – abhaken und auf die nächste Person konzentrieren!

Schreibe nur öffentliche Profile an

Alles andere wirkt einfach falsch, wenn du hier zum Einstieg sagst, „Hey dein Profil gefällt mir!“. Außerdem kannst du bei einem privaten Profil davon ausgehen, dass die Person es eben vorzieht, keine Bilder von sich öffentlich zu zeigen, was nicht zu deiner Absicht passt, später Bilder aus dem gemeinsamen Shooting zu posten.

Nutze keine Fotoszene-Begriffe beim Anschreiben von Models

Sei dir darüber im Klaren, dass wir ja gerade Menschen kontaktieren, die nicht in der (Hobby)model-Szene drin sind. Für so eine Person kann es sogar schon merkwürdig klingen, wenn du sie fragst, ob sie sich „ein gemeinsames TFP-Shooting“ vorstellen könnte. Woher soll die Person wissen, was das heißt? Nutze lieber einfachere, eindeutige Begriffe, wie in diesem Beispiel „kostenloses Fotoshooting“.

Dein Mindset ist entscheidend!

Du „willst nichts“ von jemandem – du hast etwas Tolles anzubieten bzw. sogar zu verschenken! Mache dir das immer wieder bewusst, sobald du in diese Denkweise verfällst, bei der dir Gedanken kommen wie: „Ich kann doch nicht einfach irgendjemand Fremdes anschreiben“, „Was ist, wenn ich die Person nerve?!“ oder „Ich will nicht aufdringlich sein oder komisch rüberkommen“. Solche Gedanken hatte ich auch zu Beginn, doch wenn du ein paar Mal positive Rückmeldungen erlebst und du erfährst, wie Leute deine Anfrage als Kompliment auffassen, wirst du irgendwann anders denken! 😉

Wenn du diese ganzen Tipps zur Modelfindung verinnerlicht hast, bist du schon einen großen Schritt weiter. Doch kommen wir zum nächsten Punkt, denn:

Die Anfrage selbst ist (wenn überhaupt) nur die halbe Miete!

Jasmin hatte zuvor noch nie vor der Kamera gestanden. Mit genug Zeit entstanden wundervolle, intensive Bilder.

Was noch dazugehört: 4 Punkte, ohne die deine Chancen auf eine positive Antwort praktisch null sind!

Natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme, wenn du ein Profi bist, der hunderte extrem hochwertige Fotos in seinem Feed hat und dazu noch 250.000 Follower, sind diese Punkte hier einzeln für sich genommen bestimmt nicht ausschlaggebend. Doch ich nehme mal an das trifft nicht zu, sonst hättest du ja bestimmt nicht bis hierhin gelesen.

  • Vorweg natürlich – ein öffentliches Profil, das ist selbstverständlich.
  • Ein Profilbild, dass DICH zeigt – und kein Logo, keine Kamera und keine Landschaft! Darauf solltest du auch zu erkennen sein und dich nicht hinter einer Kamera verstecken oder winzig klein abgebildet sein.
  • Am besten hast du ein Story-Highlight „Über mich“ in dem du etwas über dich persönlich erzählst/schreibst, und das MINDESTENS EIN BILD von dir beinhaltet. Du sagst, über dich gibt’s nichts Spannendes zu schreiben? Ich bin mir zu 100% sicher, das stimmt nicht. Anhaltspunkte, was du schreiben kannst: Dein Beruf, Werdegang, deine Motivation/dein Antrieb, „7 random facts“ über dich, Hobbys neben der Fotografie, Lieblingsessen, dein favorisierter Ort für Shootings, um nur ein paar wenige zu nennen…
  • Ein leerer Feed wird höchstwahrscheinlich nicht funktionieren. Dort muss etwas zu sehen sein, bevor du jemanden anschreibst. Idealerweise das, was du auch in Zukunft machen möchtest. Natürlich gilt, je mehr Bilder schon da sind, desto besser. Jedoch lieber Klasse statt Masse! Als Minimalversion würde ich sagen, gehen auch 3-6 Fotos. Wenn du diese nicht hast, empfehle ich dir, diese mit Freunden und Bekannten zu machen und dabei auch ausreichend Zeit zu investieren. Wenn dir selbst das nicht möglich ist, würde ich aber behaupten, dass du sogar mit einem leeren Feed Erfolg haben kannst, dann muss aber dein restliches Auftreten richtig top sein, sprich dein Profilbild muss sympathisch rüberkommen und dein „Über Mich“-Highlight sehr ausführlich sein, mit mehreren Fotos auf denen zu gut zu erkennen bist und einen guten Eindruck machst.

Zu guter Letzt noch einmal etwas Motivation und ein allgemeingültiger Tipp: hab Ausdauer! Nichts geht von heute auf morgen, alles ist ein Prozess, und zu Beginn wirst du viele Anfragen verschicken und viele werden ignoriert oder eine negative Antwort enthalten. Doch fokussiere dich nicht auf die Absagen, sondern auf das, was tatsächlich an Shootings zu Stande kommt am Ende! Erinnere dich immer wieder daran, wieso du fotografieren willst, was dich dabei antreibt. Rufe dir gern regelmäßig den folgenden Spruch ins Gedächtnis, den finde ich super motivierend und er trifft zu 100% zu:

The master has failed more times than the beginner has tried.

In diesem Sinne wünsche ich dir ganz viel Erfolg dabei, diese ganzen Tipps anzuwenden und Models für Shootings zu finden!

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, ist bestimmt auch mein Gastbeitrag im Blog von Markus Thoma für dich interessant, in dem ich 6 Tipps zum Umgang und zur Kommunikation mit dem Model teile. Erlaube mir hier auch noch einmal, mein Buch „Fotografieren im Flow“ zu erwähnen. Wenn du lernen möchtest, bessere Portraits zu fotografieren, ist es genau das richtige für dich. 😉

Ich hoffe, der Blogbeitrag hat dir gefallen – schau dich hier gern noch weiter um wenn du möchtest.

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