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Bordfotograf auf dem Kreuzfahrtschiff

Als Fotograf auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten – Der ultimative Erfahrungsbericht als Bordfotograf

Wie schreibt man einen Artikel über die Erlebnisse aus vollen 3 Monaten? Ohne, dass es zu lang wird, aber so, dass alles Wichtige mit drin ist? Ok, der Beitrag ist echt lang geworden. 😅 Deshalb habe ich mir auch mal erlaubt, das reißerische „ultimativ“ in den Titel mit reinzunehmen, denn hier schreibe ich wirklich sehr umfassend zu meiner Reise.

Lass mich zuerst kurz ein paar Hard Facts hier auflisten, um dir einen Rahmen zu dem Ganzen zu geben, danach kannst du ins Inhaltsverzeichnis schauen und die Abschnitte lesen, die für dich am spannendsten sind (am coolsten bist du natürlich, wenn du alles liest😉).

Ich – Benni – war drei Monate lang, vom 06.01.2022 bis 09.04.2022 auf einem Kreuzfahrtschiff als Bordfotograf tätig.

Meine Hauptaufgabe als Bordfotograf war dabei, die Gäste auf dem Kreuzfahrtschiff zu fotografieren, sowohl an aufgebauten Shooting-Sets an Bord, als auch an Deck und vor dem Schiff, und natürlich bei Landausflügen.

Als Fotograf auf einem Kreuzfahrtschiff 3 Monate durch den Atlantik
Meine Reiseroute - 3 Monate ging es für mich auf dem Kreuzfahrtschiff zu insgesamt 11 verschiedenen Inseln

Dabei habe ich 11 Inseln aus den Kanaren, Kapverden, Azoren und Madeira kennengelernt. Genau genommen waren es die Kanarischen Inseln Teneriffa, La Palma, La Gomera, Fuerteventura, Lanzarote und Gran Canaria, zudem die Inseln Terceira und São Miguel, die zur Azorengruppe gehören, außerdem Madeira und die Kapverdischen Inseln Sao Vicente und Santiago.

Während meiner 93 Tage auf Reisen habe ich etwa 40.000 Fotos gemacht, außerdem auch viele GoPro-Videos mit meiner Drohne aufgenommen, sodass ich ca. 700 GB Daten produziert habe.

Das soll es an Zahlen, Daten, Fakten als Einstieg aber auch gewesen sein. Die Struktur dieses Blogartikels habe ich mir so überlegt:

Wenn du diesen Artikel liest, stehen die Chancen gut, dass dich einige Aspekte viel mehr interessieren als andere… Vielleicht willst du einfach meine Erlebnisse im Ausland nachvollziehen und schöne Fotos und Videos aus der Zeit anschauen. Möglicherweise möchtest du etwas lernen, an meinen Learnings aus der Zeit teilhaben. Oder spielst du selbst mit dem Gedanken, einmal als Bordfotograf auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten bzw. dich zu bewerben? Dann findest du hier eine Menge Tipps dazu sowie Gründe dafür und auch dagegen.

Neben all den coolen Highlights findest du in diesem Blogartikel allerdings nicht nur die Sonnenseiten des Jobs, sondern auch ein paar exklusive Einblicke in die Schiffswelt, wie das Leben und Arbeiten dort eben so ist, was ich verdient habe, und ich sage dir auch welche negativen Seiten es hat.

Das bin ich 🙂 auf einer Fahrradtour auf La Gomera

Was habe ich so gemacht in der Zeit? Arbeitsalltag und Einsatzzeiten

Wenn du nicht gerade selbst schon einmal auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet hast, kannst du dir vermutlich nicht vorstellen, wie mein Alltag an Bord aussah. Deswegen gebe ich dir einmal einen Überblick über die Bedingungen und Eigenheiten der Arbeit (und des Lebens) auf dem Schiff.

Strukturierung der Reisen

Alles ist in einer 7-Tage-Routine organisiert, denn die Reisen dauerten immer genau eine Woche. Zu meiner Zeit an Bord wurden nur Rundreisen angeboten, Start- und Endpunkt waren also identisch – und das war immer der Hafen von Santa Cruz auf Teneriffa. Nachteilig daran ist, dass sich vieles wiederholt und man sich die in der Einleitung erwähnten 11 Inseln irgendwann ein Stück weit sattsieht.

Vorteilhaft ist, man spart sich durch die Wiederholungen in einigen Punkten Arbeit, aber das beste daran war: Auf Teneriffa ist der Embarkationday – der Tag, an dem neue Gäste an Bord kommen und die alten das Schiff verlassen. An diesem Tag gibt es für mich als Bordfotografen erst in der zweiten Tageshälfte viel zu tun, so hatte ich oftmals die erste Tageshälfte frei und musste teilweise erst gegen 18:30 Uhr anfangen zu arbeiten (dann allerdings auch bis spät abends). Das ermöglichte mir die Umsetzung von einigen freien Projekten auf Teneriffa, mehr dazu weiter unten.

Arbeitszeiten und der wichtigste Part des Jobs

Wo wir gerade von Arbeitszeiten gesprochen haben: Im Schnitt 10,5 Stunden habe ich pro Tag gearbeitet, und das ist nicht bloß eine grobe Schätzung. Ich habe alle real von mir gearbeiteten Stunden immer in meinem Tages/Arbeits-Plan notiert, aufaddiert und durch 93 Tage geteilt. Du kannst dir also überlegen, dass einige Tage wirklich seeehr lang und vollgestopft mit Arbeit gewesen sein müssen, wenn ich einmal die Woche sogar „nur“ abends arbeiten musste.

Übrigens ist ein sehr wichtiger Anteil der Arbeit als Bordfotograf auf einem Kreuzfahrtschiff die Promotion. Der ganze wirtschaftliche Erfolg unserer Fotodienstleistung auf dem Schiff hängt also unmittelbar davon ab, wie gut man darin ist, die Menschen anzusprechen und zu motivieren. Viele Gäste haben erstmal keine Lust aufs Bildermachen und es ist deine Aufgabe, die Leute immer wieder anzusprechen, zu einem Foto zu animieren und ihnen dabei ein gutes Gefühl zu geben. Das kann auf Dauer schon Energie kosten. Dazu erschwerend kommt, dass unsere Bilder (im Gegensatz zu den vielen Inklusivleistungen auf dem Schiff) eben Geld kosten. Das Konzept dabei finde ich in diesem Zusammenhang allerdings gut, weil es zunächst unverbindlich ist: Das Fotografieren ist gratis, und hinterher können die Leute ihre Fotos dann kaufen, wenn sie ihnen gefallen.

Der konkrete Ablauf eines Tages

Wie sah der Arbeitsalltag nun aus? Das kam etwas darauf an, ob es ein Seetag war oder ob wir in einem Hafen lagen. An einem Seetag konnte ich oft etwas länger schlafen und die Arbeit begann meist erst um 10:00 Uhr. Shootings fanden logischerweise nur an Bord statt, an verschiedenen Bereichen auf dem Schiff.

An Hafentagen startete die Arbeit allerdings schon zwischen 07:30 Uhr und 08:30 Uhr (ich bin immer eine Stunde vor Arbeitsbeginn aufgestanden, um auch noch Frühstücken zu können). Der Grund dafür ist, dass viele Bustouren auf den Inseln schon früh morgens starten. Aber selbst wenn ich erst nachmittags auf einen Landausflug geschickt wurde, begann der Tag früh – denn der Großteil der Gäste verlässt das Schiff ja dennoch morgens. Hierbei ist mein Job dann oft gewesen, an der Gangway zu stehen und die Leute zu fragen, ob sie nicht ein Bild von sich vor dem Schiff haben wollen. Direkt nach dem jeweiligen Einsatz (Landausflug oder Gangway) ging es dann an die Bildbearbeitung, dann folgte eine mal mehr, mal weniger lange Pause zum Essen und Entspannen. Zwischen 17:00 Uhr und 18:30 Uhr abends ging es dann wieder weiter, und wir bauten als Fototeam eine der (täglich wechselnden) Shootingstationen auf, die dann für ein paar Stunden angeboten wurde. Außerdem gingen wir durch Bars und Restaurants und sprachen wieder Gäste für Fotos an (Bildbearbeitungen natürlich auch wieder hinterher dabei)… sodass der Feierabend dann oft erst zwischen 22 und 23 Uhr eintrat.

Meine Meinung zur Art der Fotografie auf dem Kreuzfahrtschiff

Die obige kleine Zusammenfassung ist vielleicht relativ nüchtern gehalten, ich habe mich dabei bewusst zurückgehalten, etwas sehr positiv oder negativ bewertend zu formulieren. Das geschah aus dem Grund, weil jeder das Ganze anders empfinden kann und ich da nicht zu viel „vorgeben“ möchte. Wenn du aber meine persönliche, ehrliche Meinung hören willst: Viele der Bilder, die man für die Gäste so macht, hätten für mich keinen großen Wert. Meiner Ansicht nach sind Bilder on Location im Reisegebiet und bei Tageslicht viel schöner als das, was man spätabends an Bord so produziert… Allgemein ist die Art und Weise der Fotografie auf dem Kreuzfahrtschiff sehr „klassisch“, steif und „geposed“, nicht natürlich und ich würde sogar sagen in weiten Teilen nicht mehr so richtig zeitgemäß. Beispiel gefällig? Das frontale Draufblitzen mit Aufsteckblitz auf die fotografierte Person…🙈 Zusammengefasst also das Gegenteil von meinem persönlichen Stil, den ich an Land pflege. Wo es ging habe ich aber versucht, auf meine Art und Weise zu fotografieren, und es hat mich sehr gefreut, wenn das bei den Gästen gut ankam, was meist bei jüngeren Pärchen der Fall war.

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(Nicht nur Fun-) Facts

Eine Sammlung an vielen Dingen, die nicht unbedingt zusammenhängen… Aber oft sind es die vielen kleinen Dinge und Details, die das große Ganze bestimmen, deswegen möchte ich diese hier einmal in Listenform erwähnen:

  • Es gibt sehr viele Crewmitglieder Bord, etwa halb so viele wie Gäste! Das ist aber auch nötig, denn das Schiff ist wirklich ein schwimmendes Hotel, eher sogar noch eine fahrende Stadt, denn:
  • Neben einem riesigen Theatersaal, einem Außen- und einem Innen-Pool und einem Sportplatz an Deck gibt es unter anderem ein Fitnessstudio, einen Friseur, mehrere riesige Restaurants (und viele kleine), unzählige Bars, einige Einkaufsläden, die Fotogalerie für unsere Dienstleistung und noch wirklich viel mehr. Und das sind ja nur einige der Einrichtungen für die Gäste, hinzu kommt ja noch der ganze „betriebstechnische Teil“ (Maschinenräume, Großküchen, die Wäscherei…) und einiges mehr für die Crew.
  • Wegen Corona gab es natürlich die verschiedensten Maßnahmen, die nervigste war sicherlich das permanente Maske-Tragen. Als Crewmitglied hat man diese nur beim Essen und auf der eigenen Kabine abnehmen dürfen.
  • Die Crewkabinen sind zwar sehr klein, haben aber wirklich richtig viele Steckdosen (wichtig für die Technikfreaks^^), denn Mehrfachstecker sind nicht erlaubt aus Brandschutzgründen.
  • Es gibt eine extreme Vielfalt der Crew was die Nationalitäten angeht, das ist natürlich richtig cool. Allerdings merkt man schon sehr, dass der überwiegende Teil der Arbeitskräfte aus Asien stammt, gerade was die „Knochenjobs“ in Bars, Kombüse und Housekeeping angeht, was schon ein gewisses Licht auf das Ganze wirft…
  • Jedes Crewmitglied ist super hilfsbereit und freundlich, das merkt man gerade als Anfänger dort, wenn man mal wieder nach dem Weg oder anderen Informationen fragen muss. Allgemein ist das Zusammenleben auf so engem Raum natürlich eine Herausforderung, die nach meinem Gefühl aber sehr gut gemeistert wird. Es sitzen ja buchstäblich alle im selben Boot, daher sind Grundstimmung und das Miteinander allgemein sehr positiv.
  • Habe ich oben etwas von meinen langen Arbeitszeiten erwähnt? Ich will mich nicht beschweren, sehr viele Crewmitglieder aus den Bars oder Restaurants haben ganz sicher noch viel heftigere Arbeitszeiten, von einigen hatte ich mitbekommen, wie lange und bis wie spät abends sie arbeiten müssen… Und das bei nicht viel mehr Bezahlung als meiner.
  • Das Leitungswasser (also zum Händewaschen und Duschen) an Bord schmeckt und riecht „chlorig“, ist sicherlich nicht zum Trinken gedacht. Es gibt überall Abfüllstationen für extra Trinkwasser, an denen man sich bedienen kann und das nicht nach Chlor riecht.
Die Innenarchitektur auf einem Kreuzfahrtschiff ist durchaus beeindruckend
Die Innenarchitektur auf dem Kreuzfahrtschiff war aufwendig gestaltet und ziemlich beeindruckend

Meine persönlichen Top 5 Highlights auf der Kreuzfahrt

Neben freien Projekten gab es ein paar Highlights, die wirklich klasse waren. Das meiste davon ist nur durch Eigeninitiative entstanden und auch abseits der Arbeit passiert. Daher der Tipp, den ich jedem mitgeben will: Es klingt so abgedroschen, aber von nichts kommt nichts! Die besten Dinge passieren, wenn du aktiv wirst, Kontakt zu Leuten aufnimmst, rausgehst und nicht „in dir drin“ bleibst. Genau das hat sich auch auf der Kreuzfahrt immer wieder bestätigt.

Schwimmen mit Schildkröten

Zu meinen absoluten Highlights der Reise gehört auf jeden Fall das Schwimmen mit Schildkröten auf den Kapverden. Ich hätte nie gedacht, dass die so groß und so zutraulich sind! Man ist wirklich direkt neben ihnen geschwommen, und dann waren es auch noch so viele, mindestens 8-10 Stück auf einmal!

Schildkroete auf den Kapverden
Dieser Glückstreffer einer Schildkröte auf den Kapverden gelang mir tatsächlich mit meiner GoPro - hättest du das bei der Bildqualität gedacht?

Fliegen mit meiner FPV-Drohne auf dem Kreuzfahrtschiff auf Hoher See

Hier braucht man nicht viele Worte zu verlieren, wieso das mega viel Spaß gemacht hat oder? Das Video zeigt es am besten! Ich habe übrigens noch sehr viele weitere Aufnahmen auf fast allen 11 Inseln gemacht, die müssen großteils noch aufgearbeitet werden und kommen in Zukunft auf meinen YouTube-Kanal.

Heiraten auf dem Kreuzfahrtschiff

Für mich als Hochzeitsfotograf waren natürlich Hochzeiten auf dem Kreuzfahrtschiff etwas ganz besonderes, ich durfte mehrere begleiten. Auf die Highlightvideos die ich dabei erstellt habe bin ich besonders stolz, weil es nichts Vergleichbares da draußen gibt (überzeuge dich gern selbst in der YouTube-Suche). Schau dir hier gern mal zwei dieser Hochzeitsvideos an, die ich für die Hochzeitspaare gemacht habe.

Ich werde übrigens noch einen Blogartikel zum Thema „Heiraten auf einem Kreuzfahrtschiff“ für Paare schreiben, denn da habe ich jetzt einige Erfahrungen und Erkenntnisse, die jedes Brautpaar unbedingt wissen sollte, wenn man sich dazu entschließt, auf dem Kreuzfahrtschiff zu heiraten.

Fotoshooting mit einem Piloten und Rundflug über Teneriffa und La Gomera

Das war wirklich ein Erlebnis! Der Kontakt ist übrigens über Instagram zustande gekommen. Es hat sich für mich hier wieder einmal bestätigt, dass die App ein superwertvolles Tool zum Connecten ist, wenn man sie denn richtig nutzt!

Paarfotoshooting auf Teneriffa

Mit dem Piloten und seiner Frau habe ich mich daraufhin auch noch zweimal getroffen (natürlich ging das jeweils nur an Embarkationdays) und wir haben uns angefreundet, bei einem der beiden Treffen haben wir ein tolles Paarfotoshooting gemacht. Hier ein paar Bilder davon zum durchswipen:

Noch mehr freie Projekte

Wenig überraschend, dass meine freien Projekte am meisten Spaß gemacht haben und auch visuell am meisten hermachen, oder? Denn hier konnte ich genau so (in meinem Stil) fotografieren, wie ich es sonst auch an Land mache und wie ich es liebe. Lust auf mehr Bilder von meinen freien Shootings? In meiner Onlinegalerie kannst du dir zum Beispiel folgende Bilder aus der Kreuzfahrtzeit anschauen:

Außerdem habe ich natürlich eine Menge auf Instagram gezeigt, Fotos, Videos, Behind-the-Scenes-Reels von Shootings aus der Zeit und so weiter, schau gern mal dort vorbei (aber lies erst noch diesen Artikel zuende 😉).

Fotoshooting an Bord eines Kreuzfahrtschiffes
Ein freies Paarfotoshooting mit Josi und Robert an Bord des Kreuzfahrtschiffs

Willst du auch Bordfotograf werden? Diese 7 Skills brauchst du, um Kreuzfahrtfotograf zu werden

  • Deine Technik beherrschen: Es ist wirklich Nebensache, sich um die Kamera zu kümmern. Viel entscheidender ist der Umgang mit den Gästen. Gerade in der Anfangszeit ist alles so viel auf einmal, eine Menge an Eindrücken auf dich einprasselt – da darfst du nicht mit der Kamera beschäftig sein, sondern die Handhabung muss absolut sitzen.

  • Den Perfektionismus ablegen – Lass dir das von einem (ehemaligen) wirklich extremen Perfektionisten sagen: Vieles ist an Bord einfach eine Massenabfertigung, darüber sollte man sich im Klaren sein. Wenn man beispielsweise für Gangwayfotos zuständig ist, hat man pro Gast/Gastgruppe so 30-60 Sekunden, ein paar Bilder zu machen. Das ist nicht zu vergleichen mit einem „richtigen“ Shooting an Land, das Leute buchen und für das sich alle Parteien sehr viel Zeit nehmen (bei mir zum Beispiel sogar oft einen ganzen Tag). Trotzdem gibt es auch Shootings, die von den Gästen gebucht werden können und die dann meist 15-30min gehen (in seltenen Ausnahmefällen auch mal länger)

  • Damit einhergehend: unter Zeit- und Termindruck arbeiten können. Sicherlich eine Fähigkeit, die für jeden überall nützlich ist.

  • Mit Menschen können – etwas, das ich mir auch erst selbst durch meine Fotografie antrainiert habe. Für mich ist es auch schon vor der Kreuzfahrt kein Problem mehr gewesen, auf fremde Leute zuzugehen und sie zu fragen, ob sie kurz ein Bild machen möchten. Das hat mir sehr geholfen in der Zeit auf dem Schiff. Ich glaube, für mich ist das in dem Moment nicht schwierig, weil ich dann in dieser Rolle „Kreuzfahrtfotograf“ bin. Der Job ist wohl nichts für dich, wenn du dir überhaupt keinen Kundenkontakt vorstellen kannst – denn den wirst du wirklich täglich und ständig auf dem Schiff haben.

  • Mit flexiblen Arbeitszeiten umgehen können – die 7-Tage-Woche ist kein Geheimnis. Natürlich hast du Auszeiten, aber oft geht die Arbeit auch bis spät abends (bis 23 Uhr ist keine Seltenheit gewesen). Zum Ausgleich sind tagsüber immer mal wieder Pausen eingebaut, in der man dann zum Beispiel Essen gehen kann.

  • Gutes Englisch sprechen – das ist wirklich essentiell für den Job. Denn auch wenn 99% der Kundenkontakte auf Deutsch stattfinden, sind alle (Sicherheits)trainings für die Crew auf Englisch; ebenso ist das die offizielle Crewsprache, da sehr viele Crewmitglieder aus Indonesien oder den Philippinen kommen.

  • Auch Arbeiten außerhalb von Fotografietätigkeiten übernehmen können. Ob das das Desinfizieren von Kontaktflächen in der Foto-Galerie ist, das Beantworten von Kundenfragen dort oder auch mal das Aushelfen bei der Gästeabfertigung an den Ausflugsbussen – du bist nicht nur Fotograf, sondern Teil des Fototeams, das vieles macht.

  • Mit NEINs umgehen können. Die bekommt man natürlich viel häufiger als JAs zu hören, wenn man Leute fürs Fotomachen anspricht. Diese darf man wirklich nicht persönlich nehmen und sich keine Gedanken darüber machen, denn eines ist ganz sicher: irgendwann gibt es wieder ein JA zu hören, das geht gar nicht anders bei so vielen Gästen an Bord. Und schließlich geht es nicht um die Anzahl der NEINs, sondern nur darum, wie viele JAs man am Ende bekommen hat. Denn das sind die Menschen, die dann an unseren Fotos interessiert sind, zu Kunden werden und so letzten Endes für Umsatz sorgen.
Ausblick vom Kreuzfahrschiff aufs Meer kurz vor Madeira
Diesen Anblick konnte ich tatsächlich nur zwei, drei Mal genießen - zu der Zeit des Sonnenuntergangs musste ich praktisch immer an Bord (drinnen) arbeiten

Angestellt oder selbstständig? Und wie sind die Arbeitsbedingungen?

Jeder, der sich objektiv anschaut, wie der Arbeitsalltag aussieht und die Realität des Beschäftigungsverhältnisses, der wird sagen: Da hat man einen normalen Angestelltenjob. Auf dem Papier ist man allerdings als Selbstständiger beauftragt. (Oh, ist das etwa günstiger für den Auftraggeber? 🤪)

Wenn du also als Bordfotograf arbeiten willst, erwarte nicht, dass du selbstständig agierst, sondern wie ein Angestellter (mit allen Vor- und Nachteilen). Die Realität sieht so aus, dass du einen Vorgesetzten hast, von dem du einen täglichen Arbeitsplan bekommst, den du in recht eng abgestecktem Rahmen abzuarbeiten hast. Vorgegeben ist was, wo, und in weiten Teilen wie du fotografieren musst. Kreativität ist da sehr beschränkt. Dafür wird man eben auch weiterbezahlt, wenn man mal ein paar Tage krank sein sollte (ich bin allerdings nie krank) und wenn der Umsatz nicht so läuft, bekommt man halt trotzdem sein Geld (nur die Umsatzbeteiligung fällt dann halt niedrig aus). Apropos Geld… das darfst du dann hinterher natürlich noch versteuern, weil du ja als Selbstständiger gearbeitet hast.

Jetzt mal Tacheles: Wieviel verdient man als Bordfotograf?

Die zweitbeliebteste Frage (nach der, die ich ein Abschnitt weiter unten beantwortet habe), und ich kann sie natürlich total nachvollziehen. Ich persönlich habe auch kein Problem damit, über Geld zu reden. Das monatliche Grundgehalt betrug bei mir (eigentlich lächerliche) 1015€. Dazu kommt eine erfolgsgebundene Umsatzbeteiligung, die im Schnitt bei 90€ pro Woche lag (die war vorher natürlich unbekannt, habe ich hinterher ausgerechnet). Du siehst also, als Fotograf auf dem Kreuzfahrschiff wirst du nicht viel verdienen. Selbst wenn die Umsatzbeteiligung höher ausfällt als während meiner Reise, was sogar erwartbar ist, weil durch Corona die Gästeanzahl auf dem Schiff deutlich niedriger war als sonst, ist das Gehalt gemessen an der Arbeit eher von symbolischem Charakter. Insgesamt habe ich in der Zeit an Bord 4115€ verdient (vor Steuer). Oder wie siehst du das? Als selbstständiger Hochzeitsfotograf verdiene ich jedenfalls deutlich mehr…

Im Vorhinein war für mich aber schon klar, dass in diesem Fall das Geld komplett nebensächlich für mich ist, und dass ich das Ganze einfach nur für die Erfahrung machen will. Deswegen war ich direkt dabei und habe auch keine Gehaltsverhandlungen geführt – was ich anderen definitiv empfehlen würde! Zumindest ein paar hundert Euro mehr im Monat kann man so auf alle Fälle rausholen, und mach dir klar: die suchen auch immer dringend Leute und sind darauf angewiesen.

Landschaftsfoto auf der Azoreninsel Sao Miguel
Gerade die Azoren haben es mir angetan, hier die Insel Sao Mguel - an der Landschaft kann man sich vielerorts gar nicht sattsehen

Würde ich es nochmal machen? Wem würde ich es empfehlen? Mein Tipp an dich

Oftmals ist das ja eine sehr beliebte und oft gestellte Frage: „Und, würdest du es nochmal machen?“ Wenn ich sehr kurz antworten müsste, würde die Antwort tatsächlich lauten: Genau so, nein.

Wie krass, wie kommt das denn? Es war doch alles so geil!? Ja und nein. Ganz einfach: Die Frage ist falsch gestellt.

Ich bin super froh, dass ich mich dazu entschieden habe, und will die Erfahrungen der drei Monate auf keinen Fall missen. Es war genau die richtige Entscheidung für mich mit dieser Reise, und in der gleichen Ausgangslage würde ich die Entscheidung wieder so treffen (die Ausgangslage ist jedoch nicht gleich, denn jetzt habe ich ja schon ein erstes Mal eine solche Reise absolviert). Gleichzeitig sage ich auf jeden Fall, mit den gleichen Parametern wie beim ersten Mal würde ich es auf keinen Fall ein zweites Mal machen. Mit Parametern meine ich Bezahlung, Reisegebiet, Saison, Schiff, komplett ALLES was die allgemeinen Rahmenbedingungen ausmacht.

Wenn man mir jetzt eine neue krasse Erfahrung bietet auf einem kleinen Expeditionsschiff mit Reise durch die Arktis, bei doppelter Bezahlung, mit mehr Eigenverantwortung und ohne viele Coronamaßnahmen, dann sieht die Welt vielleicht schon anders aus :).

Wem würde ich es also empfehlen? Allgemein jedem, der jung ist, fotografieren kann und etwas „rumkommen“ will. Wenn du gerade ein paar Monate Zeit hast, zum Beispiel einen Lückenfüller im Lebenslauf brauchst oder du dich einfach umorientieren willst und dir das Geld dabei nicht so wichtig ist, würde ich dir den Tipp geben, es mal für ein paar Monate auszuprobieren. Als Fotograf auf dem Kreuzfahrschiff gearbeitet zu haben, zeigt hinterher, dass du jetzt die oben erwähnten Skills (und noch einige Erfahrungen mehr) hast und das macht sich zum Beispiel bei potenziellen zukünftigen Arbeitgebern sehr gut. Dieser Punkt ist für mich persönlich zwar gar nicht wichtig, da ich selbstständig bin, aber für viele wird das sicher ein sehr guter Punkt im Lebenslauf sein.

Ein Fotogeschäft auf den Kapverden, auf Sao Vicente
Die Konkurrenz schläft nicht - oder doch? 😀 Ein Fotogeschäft auf der kapverdischen Insel Sao Vicente

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Wenn du mich außerdem mal sehen willst, wie ich über die Zeit an Bord berichte: Hier habe ich auf dem renommierten Fotografieblog „fotografr“ ein 30min-Videointerview gegeben.

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